| 06.09.2010 [zurück] |
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Interpretation: Endokrinologie - Thyreoidea Abklärungen Die Messung von Thyreoidea stimulierendem Hormon (TSH), fT4 (freies Thyroxin) und fT3 (freies Trijodthyronin) erlaubt den Ausschluss einer primären oder sekundären Schilddrüsenfunktionsstörung und die Differenzierung von subklinischen (latenten) gegen manifeste Hypo- oder Hyperthyreosen. Die alleinige Messung von TSH birgt die Gefahr, eine sekundäre oder tertiäre Hypothyreose zu verpassen. Thyreoperoxidase (TPO)- und Thyreoglobulin (TG)-IgG sowie TSH-Rezeptor IgG geben über die autoimmune Pathogenese einer Thyreopathie Aufschluss (siehe Kapitel Interpretation, Autoimmunität / Endokrinopathie). Labordiagnostik: Hypothyreose
Labordiagnostik: Hyperthyreose
Interpretation von Schilddrüsenfunktionstests
Häufige Fehlinterpretationen von Schilddrüsenfunktionstesten
Physiologische und klinische Beeinflussung der Schilddrüsenteste
SchwangerschafthCG hat einen schwachen Thyreoidea stimulierenden Effekt. Die sehr hohen hCG-Konzentrationen im ersten Trimester supprimieren deshalb die TSH-Ausschüttung und können eine (subklinische) Hyperthyreose vortäuschen. Liegt TSH vor der Konzeption im unteren Referenzbereich, kann es im ersten Trimester unter 0.35 mU/L absinken (mit normalen fT3- und fT4-Spiegeln). Umgekehrt kann ein normaler TSH-Wert im ersten Trimester eine (meist subklinische) Hypothyreose verdecken, insbesondere wenn TPO IgG vorliegen. Schwangere im ersten Trimester mit TSH > 2.0 mU/L und positiven TPO IgG oder einer Schilddrüsen-Erkrankung in der persönlichen oder familiären Anamnese weisen häufig eine Schilddrüsen-Unterfunktion auf und benötigen möglicherweise eine T4-Substitution, um geburtshilfliche Komplikationen zu vermeiden. Die Hypothyreose der Schwangeren bzw. des Feten kann die neurale Entwicklung beeinträchtigen und geht mit einer erhöhten Inzidenz von Aborten und Frühgeburtlichkeit einher. Medikamentöse Beeinflussung der SchilddrüsenhormoneZahlreiche Medikamente beeinflussen die Schilddrüsenhormone. Von besonderer praktischer Bedeutung sind Amiodaron und Lithium. Formen der Amiodaron-induzierten SchilddrüsendysfunktionAmiodaron führt zu einer Hemmung der 5’-Deiodinase und zu einer verminderten metabolischen Clearance. Die zusätzliche Jodzufuhr kann je nach Jodzufuhr in der Nahrung zu einer Hyper- oder Hypothyreose führen. Ausserdem kann sich eine toxisch bedingte destruktive Thyreoiditis entwickeln.
Beeinflussung der Schilddrüsenhormone durch andere MedikamenteUnter Li-Therapie werden regelmässige TSH-Kontrollen empfohlen, da sich auf Grund der Hemmung der Hormonfreisetzung in der Schilddrüse und z.T. autoimmuner Thyreoiditis eine Hypothyreose entwickeln kann. Für eine Vielzahl anderer Medikamente wurde eine Beeinflussung des Schilddrüsenstoffwechsels beschrieben. Wir stellen Ihnen im Einzelfall gerne entsprechende Informationen zur Verfügung. Überwachung der TherapieZur Kontrolle der thyreostatischen Therapie sind fT4-Messungen alle 3 – 6 Wochen angezeigt, bis ein euthyreoter Zustand erreicht ist. Die Halbwertszeit von fT4 beträgt 1 Woche. Nach 3 Monaten sollte TSH messbar sein; andernfalls ist die thyreostatische Therapie höchst wahrscheinlich inadäquat. Während der Erhaltungstherapie genügen Kontrollen des TSH in 3 – 6-monatigen Intervallen. Die Hypophysenfunktion erholt sich auch bei erfolgreicher Therapie nur langsam und die TSH-Sekretion kann noch monatelang unterdrückt sein. Nach Absetzen des Thyreostatikums sollte die Schilddrüsenfunktion zunächst alle drei Monate geprüft werden, um ein Rezidiv rechtzeitig zu erkennen. Das Intervall kann nach einem Jahr auf 6 bis 12 Monate ausgedehnt werden. Spätrezidive sind selten, aber auch nach mehr als fünf bis zehn Jahren möglich. Zur Überwachung der Substitution genügen bei stabilen Schilddrüsenwerten im erwünschten Zielbereich (TSH 0.4 – 2.5 mU/L) und unveränderter Levothyroxin-Dosierung 1 bis 3 TSH-Messungen pro Jahr. Nach Strumektomie werden TSH und fT4 im Abstand von einem bis mehreren Monaten kontrolliert, z.B. nach 1, 3, 6 und 12 Monaten. Literatur / LinksBrent GA. Graves’ disease. New Engl J Med 2008;358:2594-605 Cooper DS. Hyperthyroidism. Lancet 2003; 362: 459–68 Dayan CM. Interpretation of thyroid function tests. Lancet 2001;357:619-24 Negro R et al. Levothyroxine treatment in euthyroid pregnant women with autoimmune thyroid disease: effects on obstetrical complications. J Clin Endocrinol Metab 2006;91:2587-91 Pearce EN et al. Thyroiditis. N Engl J Med 2003;348:2646-55 Rajeswaran C et al. Management of amiodarone-induced thyrotoxicosis. Swiss Med Wkly 2003;133:579–85 Roberts CGT, Ladenson PW. Hypothyroidism. Lancet 2004;363:793–803 Vaidya B et al. Detection of thyroid dysfunction in early pregnancy: universal screening or targeted high-risk case finding? J Clin Endocrinol Metab 2007;92:203-7 |
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