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Interpretation: Endokrinologie -
Thyreoidea Abklärungen


Die Messung von Thyreoidea stimulierendem Hormon (TSH), fT4 (freies Thyroxin) und fT3 (freies Trijodthyronin) erlaubt den Ausschluss einer primären oder sekundären Schilddrüsenfunktionsstörung und die Differenzierung von subklinischen (latenten) gegen manifeste Hypo- oder Hyperthyreosen. Die alleinige Messung von TSH birgt die Gefahr, eine sekundäre oder tertiäre Hypothyreose zu verpassen.

Thyreoperoxidase (TPO)- und Thyreoglobulin (TG)-IgG sowie TSH-Rezeptor IgG geben über die autoimmune Pathogenese einer Thyreopathie Aufschluss (siehe Kapitel Interpretation, Autoimmunität / Endokrinopathie).

Labordiagnostik: Hypothyreose

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Labordiagnostik: Hyperthyreose

pic_0506_thyreo_02_de

Interpretation von Schilddrüsenfunktionstests

TSH

fT4

fT3

Häufige Ursache

Seltene Ursache

+

+

Primäre Hyperthyreose (M. Basedow, Knotenstruma, toxischer Knoten), transiente Thyreoiditis (postpartal, postviral /
de Quervain)

Thyroxineinnahme, ektopisches Schilddrüsengewebe, jodinduziert, Amiodaron, Schwangerschafts-Thyreotoxikose

N

N

Subklinische Hyperthyreose, Thyroxineinnahme

Steroidtherapie, Dopamin / Dobutamin, nicht-thyreoidale Krankheit

– / N

Nicht-thyreoidale Krankheit, kürzlich begonnene thyreostatische Therapie (TSH noch supprimiert)

Sekundäre Hypothyreose, kongenitaler TSH- oder TRH-Mangel

+

Primäre Hypothyreose bei chron. autoimmuner Thyreoiditis, nach Radiojodther. od. Thyreoidektomie, hypothyreote Phase einer transienten Thyreoiditis

Nach Bestrahlung, Amiodaron, Li, Interferon, IL-2, Jodmangel, Amyloid, Riedel-Struma, seltene kongenitale Defekte

+

N

N

Subklinische autoimmune Thyreoiditis

Heterophile Ak, intermittierende
T4-Therapie bei Hypothyreose, Amiodaron, Sertralin, Cholestyramin, Jodmangel, Erholung nach nicht-thyreoidaler Krankheit, TSH-R- u.a. kongenitale Defekte

N / +

+

N / +

Interferierende Ak gegen T3/T4, Dysalbuminämie, Amiodaron, intermittierende T4-Therapie, T4-Resistenz,
TSH-sezernierender Hypophysentumor


Legende

–, erniedrigt; +, erhöht; N, normal

Häufige Fehlinterpretationen von Schilddrüsenfunktionstesten

TSH

fT4

fT3

Situation

Fehlinterpretation

Richtige Interpretation

Nach
Thyreotoxikosetherapie

Persistierende
Hyperthyreose

Schwere Hypothyreose

+

+

Halsschmerzen
seit kurzer Zeit

Thyreotoxikose

Mögliche transiente
Thyreoiditis

– / N

– / N

– / N

Allgemeinkrankheit

Hypothyreose

Nicht-thyreoidale
Krankheit

N

nd

nd

Hypophysäre Krankheit

Euthyreose

Hypothyreose möglich: fT4 und fT3 messen

+

N

N

TSH fällt nicht unter
T4-Therapie

Compliance-Fehler

Interferierende Ak


Legende

–, erniedrigt; +, erhöht; N, normal; nd, nicht durchgeführt

Physiologische und klinische Beeinflussung der Schilddrüsenteste

TSH

fT4

fT3

Neugeborene

N / +

N / +

N / +

Kinder

N

N

N / +

Alter

N / –

N / –

N / –

Höhenaufenthalt

N

+

Schwere, nicht thyreoidale Krankheit

N / – / +

N / –

Hyperalbuminämie

N

N / –

N

Vermehrtes TBG

N

N

N

Vermindertes TBG

N

N

N


Legende

–, erniedrigt; +, erhöht; N, normal; TBG, Thyroxin binding protein

Schwangerschaft

hCG hat einen schwachen Thyreoidea stimulierenden Effekt. Die sehr hohen hCG-Konzentrationen im ersten Trimester supprimieren deshalb die TSH-Ausschüttung und können eine (subklinische) Hyperthyreose vortäuschen. Liegt TSH vor der Konzeption im unteren Referenzbereich, kann es im ersten Trimester unter 0.35 mU/L absinken (mit normalen fT3- und fT4-Spiegeln). Umgekehrt kann ein normaler TSH-Wert im ersten Trimester eine (meist subklinische) Hypothyreose verdecken, insbesondere wenn TPO IgG vorliegen. Schwangere im ersten Trimester mit TSH > 2.0 mU/L und positiven TPO IgG oder einer Schilddrüsen-Erkrankung in der persönlichen oder familiären Anamnese weisen häufig eine Schilddrüsen-Unterfunktion auf und benötigen möglicherweise eine T4-Substitution, um geburtshilfliche Komplikationen zu vermeiden. Die Hypothyreose der Schwangeren bzw. des Feten kann die neurale Entwicklung beeinträchtigen und geht mit einer erhöhten Inzidenz von Aborten und Frühgeburtlichkeit einher.

Medikamentöse Beeinflussung der Schilddrüsenhormone

Zahlreiche Medikamente beeinflussen die Schilddrüsenhormone. Von besonderer praktischer Bedeutung sind Amiodaron und Lithium.

Formen der Amiodaron-induzierten Schilddrüsendysfunktion

Amiodaron führt zu einer Hemmung der 5’-Deiodinase und zu einer verminderten metabolischen Clearance. Die zusätzliche Jodzufuhr kann je nach Jodzufuhr in der Nahrung zu einer Hyper- oder Hypothyreose führen. Ausserdem kann sich eine toxisch bedingte destruktive Thyreoiditis entwickeln.

Hyperthyreose

Hypothyreose

Typ I

Typ II

Mechanismus

Jodüberschuss

destruktive Thyreoiditis (toxischer Effekt)

Jodüberschuss

Häufigkeit

bis 23 %, v.a. in Jodmangelgebieten

bis 20 %, v.a. bei genügender Jodzufuhr

TPO Autoantikörper

häufig

meist negativ

häufig

Schilddrüsenfunktion

Hyperthyreose

Hyperthyreose

Hypothyreose

Doppler-Sonografie

hypervaskularisiert, normaler oder erhöhter Blutfluss

verminderter Blutfluss

variabel

Therapie

Thyreostatika

Kortikosteroide

Levothyroxin

Beeinflussung der Schilddrüsenhormone durch andere Medikamente

Unter Li-Therapie werden regelmässige TSH-Kontrollen empfohlen, da sich auf Grund der Hemmung der Hormonfreisetzung in der Schilddrüse und z.T. autoimmuner Thyreoiditis eine Hypothyreose entwickeln kann.

Für eine Vielzahl anderer Medikamente wurde eine Beeinflussung des Schilddrüsenstoffwechsels beschrieben. Wir stellen Ihnen im Einzelfall gerne entsprechende Informationen zur Verfügung.

Überwachung der Therapie

Zur Kontrolle der thyreostatischen Therapie sind fT4-Messungen alle 3 – 6 Wochen angezeigt, bis ein euthyreoter Zustand erreicht ist. Die Halbwertszeit von fT4 beträgt 1 Woche. Nach 3 Monaten sollte TSH messbar sein; andernfalls ist die thyreostatische Therapie höchst wahrscheinlich inadäquat. Während der Erhaltungstherapie genügen Kontrollen des TSH in 3 – 6-monatigen Intervallen. Die Hypophysenfunktion erholt sich auch bei erfolgreicher Therapie nur langsam und die TSH-Sekretion kann noch monatelang unterdrückt sein.

Nach Absetzen des Thyreostatikums sollte die Schilddrüsenfunktion zunächst alle drei Monate geprüft werden, um ein Rezidiv rechtzeitig zu erkennen. Das Intervall kann nach einem Jahr auf 6 bis 12 Monate ausgedehnt werden. Spätrezidive sind selten, aber auch nach mehr als fünf bis zehn Jahren möglich.

Zur Überwachung der Substitution genügen bei stabilen Schilddrüsenwerten im erwünschten Zielbereich (TSH 0.4 – 2.5 mU/L) und unveränderter Levothyroxin-Dosierung 1 bis 3 TSH-Messungen pro Jahr.

Nach Strumektomie werden TSH und fT4 im Abstand von einem bis mehreren Monaten kontrolliert, z.B. nach 1, 3, 6 und 12 Monaten.

Literatur / Links

Brent GA. Graves’ disease. New Engl J Med 2008;358:2594-605

Cooper DS. Hyperthyroidism. Lancet 2003; 362: 459–68

Dayan CM. Interpretation of thyroid function tests. Lancet 2001;357:619-24

Negro R et al. Levothyroxine treatment in euthyroid pregnant women with autoimmune thyroid disease: effects on obstetrical complications. J Clin Endocrinol Metab 2006;91:2587-91

Pearce EN et al. Thyroiditis. N Engl J Med 2003;348:2646-55

Rajeswaran C et al. Management of amiodarone-induced thyrotoxicosis. Swiss Med Wkly 2003;133:579–85

Roberts CGT, Ladenson PW. Hypothyroidism. Lancet 2004;363:793–803

Vaidya B et al. Detection of thyroid dysfunction in early pregnancy: universal screening or targeted high-risk case finding? J Clin Endocrinol Metab 2007;92:203-7




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